Djenné

     

Djenné - Der sagenhafte Wochenmarkt

Pünktlich um 7.00 Uhr in der Frühe war ich am Garre Routierre um mit dem Bushtaxi nach Djenné zu fahren. Hier bekam ich ersteinmal einen überwältigenden Eindruck von den Transportverhältnissen in Mali, denn das Bush Taxi fährt erst ab, wenn es voll ist, und voll ist Definitionssache des Fahrers. Der umgebaute Kleinbus wäre wohl in Deutschland spätestens mit 9 Passagieren an der Grenze des belastbaren gewesen und alle hätten lauthals protestiert, wenn noch jemand hätte zusteigen wollen. Doch hier zählte ich bis zu 34 Personen. Heute wieder in Deutschland kann ich auf die Frage wie das funktioniert keine Antwort mehr geben, aber es geht. Nachdem auch die Fährüberfahrt über den Bani geklappt hatte und die Fähre wider erwarten nicht gesunken war, war ich bald am Ziel: Djenné, der erste lang ersehnte Höhepunkt meiner Reise.


In den Straßen von Djenné


Das absolute Highlight der Stadt ist sicherlich ihre Moschee, die während des allwöchigen Montagsmarktes, der in Front dieser abgehalten wird, ein unvergeßliches Bild abgibt (Foto siehe Mali Titelseite). Doch auch die vielen alten, teils sehr schönen Häuser mit ihren teils marokkanischen Fenstern sind absolut sehenswert. Zusammen mit meinem Guide Bamoye Bouguri machte ich mich auf den Weg dieses Djenné zu erkunden. Ein Führer macht einem hier in Mali das leben irgendwie einfacher. Nicht unbedingt, weil man selbst nicht in der Lage wäre sich hier zurechtzufinden. Doch man wird kaum einen Schritt selbst durch die Gassen tun können, ohne von mindestens 10 Einheimischen umringt zu werden, die sich als Guide anbieten. Ein vorhandener Guide schafft einem durch seine Anwesenheit diese vom Hals. Der Guide ist also vor allem für die Guides von größter Wichtigkeit. Auch wenn ich einen erwischt hatte, der unwahrscheinlich viel über Djenné erzählen konnte und jeden kleinen Winkel kannte, was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Am Abend genoß ich vor der großen Moschee die Vorbereitungen auf den großen Markttag. Ständig trafen mehr Leute ein, es herrschte so etwas wie Festtagsstimmung. Der Markttag selbst und die dort verbreitete Atmosphäre lassen sich kaum in Worte fassen. Überall herrschte eine Atmosphäre zwischen geschäftigem Markttreiben und Feiertagsstimmung. Den ganzen Vormittag noch setzten nun die Leute aus den umliegenden Dörfern über den Bani über, um hier am Markt teilzunehmen.

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Die berühmte Moschee von Djenné während des Montagsmarktes


Noch ein Wort zu Djenné oder besser gesagt, zu Mali im allgemeinen. Eine Reise nach Mali ist eine Reise in die Vergangenheit. Hier in Djenné fühle ich mich an das alte Pompeji erinnert, auch wenn dieses mit seinen damals sicherlich revolutionären Kanalsystem und den gepflasterten Straßen viel moderner war. Hier in Afrika hat sich in den letzten 2.000 Jahren nicht viel verändert. Erst kam der Islam, der vor allem hier in Mali von den Kindern fleißig studiert wird (die Koranschulen waren voll, während die öffentlichen Schulen geschlossen blieben), dann das Plastik, was sich vor allem in dem in den Straßen umherliegenden Müll verdeutlicht, und schließlich noch ab und an ein Auto. Doch die Menschen sind zufrieden mit dem was sie haben. Auf die moderne Technik wird nicht unbedingt großer Wert gelegt. So gab es, als ich Djenné besuchte, in der ganzen Stadt nur 1 Telefon. Auch keinen Strom. Lediglich mein Hotel betrieb über einen eigenen Stromgenerator ein Paar Lampen und Duschen.

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Koranschüler


Dennoch finden sich hier in Mali die wohl liebenswertesten Menschen die mir auf meinen bisherigen Reisen begegnet sind. Viele Kinder lassen sich es nicht nehmen wenn sie einen Babou (Weißen) sehen, wenigstens ein Paar Meter durch die Straßen ihrer Stadt Hand in Hand mit diesem zu schlendern, bis sie dann wieder von ihrer Mutter eingefangen werden. Auch Freundschaften lassen sich unwahrscheinlich schnell schließen. So mußte ich des öfteren Menschen enttäuschen, die mal irgendwo ein Wort mit mir gewechselt hatten oder denen ich sonst irgendwo begegnet war, weil ich mich nicht mehr an sie erinnern konnte. In einem Land, in dem ein jeder um das tägliche Überleben, um Trinkwasser und Nahrung kämpft, rücken zwischenmenschliche Dinge und Nächstenliebe in den Vordergrund. Luxuriöses Leben mit westlichen Errungenschaften bleiben hier uninteressant. Wer dies erlebt hat wird die Worte von Jesus verstehen, der gesagt haben soll, daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr ginge, als daß ein reicher in das Himmelreich gelange...

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Auf dem Markt



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